Erpeler Bürger mit Schörreskarren Foto: Julius Ott
Die Schörreskarre
Auszug aus dem Erpeler „Schmitze-Blättchen“ vom November 1967
von Josef Mies
Ja, die gute alte Schörreskarre wird wohl im Laufe der nächsten zehn Jahre genau wie das alte Spinnrad Bestandteil der Museen bilden und für Liebhaber sogenannte alte Bauernstuben zieren. Neben alten Standuhren und Zinngefäßen auf offenen Kaminfeuern und Tischen und Schemeln, womit unsere Ahnen im vorigen Jahrhundert ihre Wohnstuben ausstatteten. Einst das ideale Transportmittel im klein-bürgerlichen Betrieb. Alles wurde mit der Schörreskarre bewegt. Im Feld und Weinberg wurde damit alles transportiert, Saatgut, Mist, Jauche, aus Feld, Weinberg, Wald und Wiese, alles was an Futter, Getreide, Kartoffel, Rüben , Trauben und Heu, Holz, überhaupt alles was anfiel und nach Hause muste. An sich wäre es zu begrüßen, wenn man in jeder ländlichen Gemeinde einen Sockel baute und darauf eine der letzten Schörrskarren stellen würde. Das fände vielleicht mehr Anerkennung, als wie in manchen Hauptstädten auf den Sockeln Panzer und wäre auch sinnvoller. Diente doch der Panzer der Menschenvernichtung, während die Schörreskarre friedlich dem Bürgerfleiß und der Ernährung diente.
Nun für diejenigen, die vielleicht sich eine solche Karre nicht vorstellen können, oder in den letzten Jahren sich nicht ein sogenanntes Schörreskarrenrennen als Volksbelustigung ansehen konnten, sei dieselbe hiermit erklärt.
Ein krummer Baum, der ungefähr die Form hatte, wurde aufgesägt. Das gab die zwei Bäume, wie diese auch hießen. Die Schörreskarre hatte ein Rad. Über das Rad spannte sich der sogenannte Galgen. In der Mitte war das Bett. Die Kunst war das Beladen derselben. Das ging bei jedem Ladegut ganz genau nach präziser Zweckmäßigkeit vor sich. Die Hauptlast mußte in den meisten Fällen immer auf das Rad, also den Galgen gelegt werden, damit der Mann mit der Helpe auf der Gegenseite nicht zuviel Last hatte. Je nach Last wurde die Schörrreskarre gedrückt oder gezogen. Bei Mist oder Jauchebütte wurde sie gedrückt, auch bei den Knollen mit den Blättern oder Kartoffel in Säcken, ferner noch beim Transport von Bohnenstangen aus dem Wald.
Beim Transport von Futterklee, Heu oder Roggen und Weizengarben wurde die Karre gezogen. Da bei den Letztgenannten die Ladung sehr hoch war, erforderte die Balance beim Fahren sehr große Geschicklichkeit, aber wenn gut gebunden war wurde dieses Fahren erstaunlich gemeistert.
Die Karren mußte leicht aber stark sein. Sie wurde meistens aus Eschen-, Birken- oder Apfelbaumholz gefertigt. Die leichteste war aus Birke. Jedes Haus hatte seine Schörreskarre für Männer. Auch meistens noch ein Schörreskärchen für Frauen oder Kinder für kleinere Transporte. Das erstaunlichste war, man konnte damit über alle schmalen Pfade, in alle Ecken und Winkel in Feld und Wald, Hügel und Senken kriechen um alles zu holen was nötig war, ohne sich beim geschickten Fahren übermäßig anzustrengen.
Die später aufkommenden Wagen und Wägelchen, letztere auch " Damenschoner" genannt, konnten diese Vorzüge auch nicht annähernd erreichen. Den Bewohnern unserer Gemeinde Erpel aber sei gesagt, daß hier noch eine Schörreskarre an die einige Jahrzehnte verschwundene Transportart, allen Gewalten zum Trotz, sich nicht verdrängen ließ und noch fleißig von einem Erpeler in der alten Form benutzt wird. Es ist unser Mitbürger Heinrich Eich, in der Bütt nennt man ihn " de Hein von der Hustroß ". Er ist heute noch der unzertrennliche Freund seiner Schörreskarre der sich der Zweckmäßigkeit und Vielseitigkeit ihrer Verwendung durch nichts abhalten läßt. In dem er die Methoden und Arbeitsweise der Väter heute noch pflegt, ein konservatives Verhalten wie es nicht alltäglich ist, aber bemerkenswert.