

Von links nach rechts: Die Besitzerin Frau Juliane Luft , Frau Franziska Krahe , Frau Cilli Löhr, Frau Maria Scholl, Bürgermeister Schmitz, ein Neffe der Be - sitzerin, Frau Lisbeth Dommermuth, Heinrich Gerlach und Frau Lisbeth Honnef.
Ein Dokument der Zeitgeschichte
Ende des Erpeler Weinbaues
In seiner mehr als 1500 jährigen Geschichte lebte diese Siedlung am Fuße der Erpeler Ley, lebte das Rhein-und Weinstädtchen Erpel vorwiegend vom Weinbau, der jahrhundertelang die einzige oder überwiegende Erwerbsquelle unserer Ahnen war. Nicht nur die Abhänge der Erpeler Ley und der Ausläufer des Westerwaldes, der Orsberger Hang, waren voll und unübersehbar mit Weinstöcken besetzt, auch in den Niederungen zwischen Erpel und Heister standen einstmals Weinstock an Weinstock. Viele Keller im alten Ortskern zeigen noch heute die Spuren alter Weinkeller und manches alte Requisit, von den Vorfahren übernommen, zeugen noch heute vom Erpeler Weinbau und seiner Verarbeitung in eigenen Kellern. Bis in die Anfänge unseres Jahrhunderts war der Weinbau noch Inhalt und Erwerbsquelle vieler Erpeler Familien. Noch bis in das erste Jahrzehnt bestand hier ein eigener Winzerverein mit eigener Kellerei - das vor Jahren abgebrannte Gebäude gegenüber dem Bahnhof, in dem sich noch heute ein großer Weinkeller befindet., war Eigentum dieses Erpeler Winzervereins. Nach dessen Auflösung führte das heutige Gasthaus "Zur Torschänke" noch bis in die zwanziger-dreissiger Jahre den Namen "Winzerheim". Die ältere Generation von heute hat noch einen erspriesslichen Weinbau in Erpel erlebt, wenn dieser auch bereits seit der Jahrhundertwende zunächst langsam, dann aber rapide zurückging. Noch nach dem letzten Kriege gab es in Erpel einige größere Weinbergsbesitzer - das Weingut Trimborn mit dem beliebten und bekannten Stehlenberger war eines der letzten Weingüter in Erpel. Inzwischen ist in einem der größten Weinbaugebiete Erpels " Am Leitzberg " ein neues Baugebiet entstanden, daß dann auch bewußt als " Weinvirtel " deklariert und dessen neue Straßen nur mit Weinnamen bezeichnet wurden.
Heute weist dieses einstmals blühende Weinbaugebiet Erpel nur noch vereinzelt kleine Wingerte auf. Lange hat die Witwe des aus dem letzten Kriege nicht mehr heimgekehrten Mitbürger Peter Luft , der Sohn einer alten Erpeler Winzerfamilie , die hinterlassenen Weinberge gepflegt und bearbeitet. Dieser letzte größere Weinbaubetrieb in Erpel folgt nunmehr dem Schicksal all seiner Vorgänger. Die Weinlese 1968 in diesem noch größten Weinberg von Erpel sollte deshalb zugleich der Grabgesang für den jahrhundertealten Erpeler Weinbau bedeuten. Die Besitzerin dieses Weinberges war sich dieses geschichtlichen Ereignisses wohl bewußt, als sie noch einmal eine Anzahl Erpeler Frauen " zur letzten Weinlese in Erpel " einlud - die aber als letzte auch nochmal eine zünftige Weinlese werden sollte. Der Bürgermeister , der telefonisch diese fröhliche Gesellschaft in den Distrikt " In der Schwallkaul " gerufen wurde, wurde mit dem Ruf empfangen : " Kun mir och en et Blättche ".Erfreud über die Anhänglichkeit dieser schlichten Bürgerfrauen an " ihr Heimatblättchen " feierte der Bürgermeister selbstverständlich mit. Erpels Hof - und Pressefotograph Gustav Stolte war ebenfalls zur Stelle. Und so entstand dieses wahrhaft ortsgeschichtliche Dokument von der letzten Weinlese in Erpel. Und in dieser Dokumentation sollten auch die Namen jener letzten Winzerinnen von Erpel für die Nachwelt festgehalten werden, die in ihrer echt Erpeler Gemütlichkeit hier noch einmal jenen Bürgerinnentypus repräsentieren, der sicherlich mehr als tausend Jahre Inbegriff der Erpeler Frauenwelt war. Ob der Senior der fröhlichen Winzergemeinschaft, der 82-jährige Opa Gerlach einen echten Erpeler kredenzte, die sonst so einfache und ruhige Besitzerin, Frau Luft lachend einen genehmigte, ob dat Böhmers Ziss einen Schnorren zum besten gab, die Cilli Honnef mit ihrer hellen, durchdringenden Stimme fast die Ruhe der naheliegenden neuen " St. Johannes - Schule" störte, ob et Scholle Maria und et Simons Lisbeth einen fröhlichen Gesang anstimmten, et Benders Lisbeth vom " Titelblatt im Blättchen " redete es war wahrscheinlich kein trauriger Abschied-sie nahmen dieses Ereignis mit Humor und froher Laune hin, so wie einst die Erpeler Jötfrauen und die Winzerinnen auch das Schwere ihres Berufs durch eine echte - Erpeler Fröhlichkeit stets zu überspielen suchten. Nachdem die letzte Bütt heimgefahren war, traf man sich im Hause der letzten Erpeler Winzerin zur " Matelsjaas " ( den Ausdruck kannte ich bisher nicht !) , dem endgültigen Ausklang der diesjährigen Lese, die zugleich die letzte in Erpel sein sollte. Von diesem fröhlichen Schmaus hielt ich mich zurück,Überließ die einzige männliche Autorität unserem beliebten Alt - Veteranen Heinrich Gerlach...... Hein Schmitz Ehrenamtl. Bürgermeister der Gemeinde Erpel.
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Nr. 6. Jahrgang 50 Freitag , den 13. Dezember 1968
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Foto und Text : Ortsarchiv Erpel